| Hier sind die Dreigestirne am richtigen Platz: Eine Diskussion über junge Literaturzeitschriften |
| von Andreas Rossmann | |
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(in: FAZ, 6. Juni 2007) "Der Weg in den Untergrund führt über die Hintertreppe. Die quadratisch gemusterte Wandverkleidung im Keller des "Hallmackenreuther", eines Szene-Treffs in der Kölner Innenstadt, leuchtet knallrot. Was anderswo als Retro-Mode reüssiert, ist hier noch original "Fünfziger Jahre". Ausstattung und Ort passen erstaunlich gut zu dem Thema, das hier vor fünfzig Interessenten verhandelt wird: ausgefallen und durchaus stilbewusst im Auftreten, gedeihen auch die jungen Literaturzeitschriften eher im Verborgenen und sind nicht auf Anhieb zu finden. Die Barhocker, auf denen die Akteure Platz nehmen, könnten auch als Startrampen eines Poetry-Slams dienen, doch an diesem Nachmittag geht es auf der "Kleinen Messe der jungen Magazine", die das Lokal ein Wochenende lang in Beschlag nimmt, um deren Rolle im Literaturbetrieb. Die Diskutanten Hauke Hückstädt, Jo Lendle und Ron Winkler sind alle drei, und das ist schon ein Kennzeichen der Szene, "Dreigestirne", nämlich Autoren, Lektoren und Literaturvermittler in Personalunion. Lendle, früher Herausgeber der "Edit - Papiere für neue Texte", stellte die Differenz zwischen dem "extrem marginalen Selbstbewusstsein", mit dem der Ambition, gute Autoren zu entdecken, nachgegangen wird, und der hohen Außenwahrnehmung heraus, die ihn im Vorstellungsgespräch beim DuMont Verlag, wo er seit 1997 als Lektor arbeitet, überraschte: Heute könne er sagen, dass einige Bücher dort infolge von Anregungen und Lektüren der jungen Magazine entstanden seien. (...) Mit diesem bunten Optionsfeld als Vorgabe kristallisierte die Diskussion zwei Aufgaben heraus, die, mehr oder weniger gepaart, das Selbstverständnis der Literaturzeitschriften leiten: einerseits Orte des Neuen und dabei nicht nur Seismographen zu sein, sondern, wie Moderator Patrick Hutsch - "Wir wollen vorher da sein" - betonte, im Epizentrum zu stehen, andererseits aber nicht in der Funktion des Durchlauferhitzers aufzugehen, sondern dem, was in den Verlagen nicht (mehr) möglich ist, Raum zu geben. Im virtuellen Zeitalter, wo jeder, der publizieren will, das im Internet tun kann, gilt weiter, so ein Resümee, das Gedrucktwerden auf Papier als Ausweis des Autors. Die anspruchsvolle Gestaltung und haptische Qualität, die sich Magazine wie "Edit" (Leipzig), "Sprachgebunden" (Köln) oder "Bella triste" (Hildesheim) leisten, ist auch Ausdruck eines neuen Selbstbewusstseins.“ |

