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Kritische Ausgabe Nr. 20 Themenschwerpunkt: "Gedächtniskunst" Erschienen: Frühjahr 2011 Unsere Welt ist voll von Erinnerungsorten. Denkmäler sind dabei die offensichtlichsten Versuche, unserem Gedächtnis auf die Sprünge zu helfen oder auch, es zu beeinflussen. Auch nach Personen oder historischen Ereignissen benannte Straßen, Plätze oder Häuser erinnern an Vergangenes. Daneben sind viele Orte für uns mit je sehr persönlichen Erinnerungen verbunden. Daß sich öffentliche und privat-persönliche Erinnerung aber auch auf eine ganz eigene Weise vermischen kann, zumal im Medium Literatur, zeigt sich zum Beispiel in der Beschäftigung mit Walter Benjamins Berliner Kindheit um neunzehnhundert. Im ersten Beitrag unseres Thementeils führt Christine Ruppert aus, »wie eng in der Erinnerungspoetik von Benjamins Berliner Kindheit die individuellen und kollektiven Anteile der von den Stadtorten evozierten Erinnerungen miteinander verwoben sind«. So interessiert sich das Kind beim Betrachten der Denkmäler rund um die Siegessäule eher für die Miniatur des Domes in der Hand des Bischofs als für die Figur des in Stein gehauenen Mannes. Erinnerungen sind aber auch etwas, das verwischt wirken kann, vernebelt. Und doch erscheinen immer wieder Strukturen, die ein klares Bild ergeben, ein klareres vielleicht, als zu der Zeit, als die Dinge noch Gegenwart waren. Die Illustrationsreihe, die Johanna Neubert mit Tusche und Bleistift für dieses Heft erstellt hat, spielt mit diesem Phänomen und erweitert auf ihre Weise gekonnt das Spektrum des Thementeils. Schwierig ist die Entscheidung, was für unser kulturelles Gedächtnis wichtig ist: Was soll aufbewahrt werden, was nicht? Mit solchen Fragen beschäftigen sich täglich die Mitarbeiter von Archiven. Angela Gencarelli hat Hanneliese Palm, Leiterin des Fritz-Hüser-Instituts für Arbeiterliteratur befragt, und interessante Aspekte der Gedächtniskunst im Archiv ausfindig gemacht. Darüber hinaus steht vieles andere mit den Phänomenen des Erinnerns und Vergessens in mal engerer, mal weiterer Verbindung, wie auch die Beiträge unserer übrigen Rubriken zeigen. Mit Autoren, die unserem kulturellen Gedächtnis (beinahe) entfallen sind, beschäftigt sich seit 2001 unsere Reihe Vergessene Autoren des 20. Jahrhunderts: Diesmal stellt Tim Kangro dort das Schaffen Heinrich Hausers vor. Daß auch die Sprachwissenschaft immer wieder Kunststücke zwischen Erinnern und Vergessen vollbringt, wird in Sonja Paslighs Aufsatz zur Dialektologie deutlich. Im neuesten Beitrag zu unserer Serie In der Tat: Linguistik stellt sie eine zunehmende Popularität von Dialekten fest, beschreibt in einem historischen Überblick über die Disziplin aber auch die Schwierigkeiten, Dialekte wissenschaftlich zu erfassen, da frühere Ausdrucksformen wegen einer fehlenden Schriftlichkeit vergessen sind. Und in unseren Rezensionen illustriert Grischka Grauert das ›Minenfeld‹ Gedächtniskunst und berichtet von einem spannenden Recherchefehler in Robert Löhrs Hamlet-Komplott. Im Literaturteil, bei dessen Realisierung uns der Deutsche Literaturfonds dankenswerterweise wieder einmal unterstützt hat, werden Sie immer wieder Gedächtniskünstlern begegnen, zum Beispiel dem Erzähler in Jan Kuhlbrodts Erzählung »Zassi«, der feststellt: »Darüber hinaus speist sich mit Fortdauer der Zeit alles Leben mehr aus Erinnertem, als aus Erlebtem.« Frei nach diesem Motto hat sich auch die Redaktion entschlossen, anläßlich der runden Zahl von 20 Heften ein wenig Erinnerungsarbeit zu leisten und einen Registerband zu den bisher in der Kritischen Ausgabe erschienenen Beiträgen zu erstellen. Diesen werden wir Ihnen in Kürze auf unserer Website als PDF-Dokument zum Download bereitstellen und zukünftig mit jedem neuen Heft aktualisieren. Regelmäßig aktualisiert wird übrigens auch unser Online-Feuilleton K.A. plus, das wir Ihnen im Laufe des Jahres in neuer Aufmachung präsentieren werden. Schauen Sie also wieder mal vorbei! Hier können Sie diese Ausgabe erwerben: |


